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Depression

Mein Inneres hat viele Räume. Unter ihnen viele helle, reich ausgestattete, aber auch ein paar beklemmend stille und leere. Räume voll schmerzlicher Sehnsucht. Räume, in denenmeine Stimme ungehört verhallt. Räume, in denen ich orientierungslos umhertaste. Räume, in denen es nur kahle Wände und Leere gibt. Räume, in denen nur meine Sehnsucht zu spüren ist.

Warum habt ihr mich alle im Stich gelassen? Kontakt aufnehmen ... wie? Ich seh dich nicht, wenn die Sonne hell am Himmel steht, ich seh dich nicht, wenn du still auf einer Bank sitzt oder ohne Gruss an mir vorbei gehst. Ich sehe deinen neugierigen Blick nicht, sehe nicht deine braune Haut, deine fragenden Augen, dein einladendes Lächeln, dein blaues T-Shirt und die nackten Füsse in den Sandalen. Kontakt aufnehmen, indem wir uns zulächeln, indem wir spontan auf dasselbe reagieren und uns über unsere gleiche Reaktion freuen. Kontakt aufnehmen, indem ich langsam an dir vorbei gehe und schaue, ob du reagierst, ob du den Kopf hebst und mir nachschaust. Kontakt aufnehmen, indem ich mich in deine Nähe setze ... Ich glaube, ich wüsste, wie es geht, wenn ich sehen könnte. Aber so. Ohne zu sehen, ohne dieses leichte Spiel auf Distanz, ohne dieses Nicken und Lächeln, ohne das Schulterzucken und das zeigen von Fleisch oder das sichtbare sich Abwenden und Weggehen ... Kontakt aufnehmen ohne über all diese Möglichkeiten zu verfügen ... ich weiss nicht, wie das geht. Und den Kontakt zu pflegen, ihn über die ersten Enttäuschungen hinaus am Leben zu halten ... Auch darin kenne ich mich nicht aus. ... Ich müsste mir selbst genug sein. Bin es auch oft. Bin mir der amüsanteste und beste Partner ... doch manchmal brauche ich ein Gegenüber, um mir selber nicht abhanden zu kommen, um die Freude an mir nicht zu verlieren. Verwickeltes Problem, seltsame Notwendigkeiten.

Copy 2005 Martin Näf

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