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Liebe Familie, liebe Freunde - 7. Januar 2013

Ich sitze auf dem Balkon des Koira Kana Hotels in Niame und räume meine Mails auf, während Moussa in der Stadt auf Jagd nach Zement ist. So Gott will können wir noch heute Abend eine Tonne dieses teuren Staubes nach Makalundi schicken, sodass die Arbeit an der Gartenmauer nicht unnötig ins Stocken gerät. Morgen wollen wir dann noch ein wenig Holz und ein paar andere Sachen kaufen, bevor wir ins Dorf zurück fahren.

In Makalundi geht alles seinen langsamen, aber doch fühlbaren Gang. Ich habe beschlossen ein paar Regale zu bauen, denn so etwas fehlt bisher noch fast völlig. Das Chaos im Haus ist entsprechend gross. Die Mülltonne, die ich vor zwei Wochen gebaut habe, mussten wir bereits einmal leeren, so populär ist sie inzwischen geworden!

Silvester in Makalundi war sehr ruhig. Keine Raketen, kein nichts. Die meisten Menschen haben gar nicht mitbekommen, dass wieder ein Jahr zu Ende ging. Hätte ich mehr Geld gehabt, oder wäre Aishas Laden bereits wieder in schwung, so hätten wir vielleicht zu Ehren des Tages ein Huhn gekauft, aber die letzten 10 Tage war sparen angesagt, doch inzwischen ist das Geld aus der Schweiz angekommen und das leben kann wieder so richtig losgehen!

Umus kleinem Mädchen geht es besser. Umu war mit dem Kind in der Nachbarstadt in burkina Faso, weil sie gehört hatte, dass es dort eine afrikanische (Kräuter)-Ärztin gibt, die genau die Art von Durchfall und Erbrechen kurieren kann, gegen die die Krankenstation in Makalundi sechs Monate lang nicht wirklich ankamen. Umu fuhr also hin und kam am nächsten Tag hoch entzückt zurück. Sie gilt jetzt als weitgereiste und welterfahrene Frau, und die neue Medizin bewährt sich. Umu ist jedenfalls frohen Mutes. Vielleicht ist Allah ja einverstanden, wenn das Kind noch ein wenig hier bleibt. Für die Nachbarin, die wir kürzlich ins lokale Spital brachten, hatte Allah offenbar andere Pläne. Sie ist vorgestern in Niamey gestorben. Man versuchte zu helfen, doch die Hilfe kam zu langsam und zu zögerlich. Ein Herzproblem ...

Zwei unserer Schafe sollen bald Junge kriegen. der Polizei-Inspektor, der mich vor zwei Jahren so freundlich an der Nigerischen Grenze aufgehalten hat, ist wieder auf seinem Posten. Er war einen Monat lang irgendwo im Hinterland mit einem Spezialauftrag unterwegs. Das Wasserloch, an dem wir unser Wasser für den Mörtel holen, trocknet zusehends aus. In ein paar Wochen müssen wir unser Bauwasser dann an einem Ziehbrunnen holen. Die Regenzeit war diesmal nicht sehr ergiebig und es wird mehr als vor einem Jahr gebaut. Vom Ziehbrunnen soll dann auch das Wasser für das Gemüse kommen, das wir anbauen wollen. Such is life in Makalundi. Die grosse Welt mit ihrem Dröhnen ist weit weg - wie die Flugzeuge oben am Himmel. In Makalundi könnte man voll den 3. Weltkrieg verpennen. Lesen kann niemand und der Radioempfang ist so mikrig, dass auch von dort nichts zu uns dringt, und was die Reisenden erzählen, die täglich aus den vielen bussen steigen ... Ach, wenn interessiert das?

Copy 2013, Martin Näf