Unterwegs. Abenteuer jenseits des Alltags



Ich werde immer wieder gefragt, wie blinde Menschen eigentlich Reisen. Die Frage ist, entschuldigen Sie, wenn ich es so grob sage, etwas naiv, denn die "Blinden" sind von einander so verschieden wie - naja, wie Menschen eben verschieden sind voneinander: DEN Blinden gibt es ebenso wenig wie es DIE Frau, DAS Kind, DEN Chinesen, DIE Schriftstellerin oder - zum Thema passend - DIE Urlaubsreise gibt. So gesehen sollte ich diesen Text eigentlich gar nicht schreiben, aber als Mensch mit seinen Widersprüchen tu ich's dennoch - und wer weiss: Vielleicht gibt es tatsächlich so etwas wie eine besondere Art des Reisens, eine Art, die dadurch geprägt ist, dass wir die Welt nicht zu 80 oder 90% durch unsere Augen, sondern auf andere Weise aufnehmen ... Zunächst gilt jedoch, wie gesagt: Die Geschmäcker sind verschieden, auch bei "den Blinden" und deren Art zu Reisen oder auch nicht zu reisen!

So wie beim "normalen" Publikum ziehen manche von uns Pauschalreisen vor -, entweder ganz "gewöhnliche", die sie irgendwo buchen, oder solche, die vom Blindenverband oder einem findigen Reisebüro speziell für "uns" organisiert werden. Andere ziehen lieber auf eigene Faust los. Für die einen muss alles im Voraus geplant sein, für andere ist das der Tod jeder wirklichen Reise. Die einen packen einen Rucksack, die andern packen einen Koffer oder lassen sich diesen packen; Die einen rufen ein Taxi oder klettern in ein Tramm, um sich zum Flughafen oder zum Bahnhof fahren zu lassen; andere zwängen sich in einen grossen Reisebus oder stellen sich an die nächste Ausfallstrasse in die grosse weite Welt, den Daumen hoffnungsfroh nach oben gestreckt!



Was mich selbst angeht, so habe ich Gruppenreisen noch nie versucht -, ausser früher mit meinen Eltern und meinen Geschwistern -, aber das ist eine andere Geschichte und schon lange her!Ich bin schon eher der typische Individual- um nicht zu sagen Ruck- und Schlafsacktourist! Als solcher reise ich dann ... Nun zum Beispiel ...




Erster Streich, Winter 1996/97: mit dem Containerschiff in die USA!



Die Rederei wollte mich zuerst gar nicht an Bord nehmen: "Behinderte ausgeschlossen; Menschen über 70 nur mit ärzlichem Zeugnis", so hiess es im Passagevertrag. Damit hatte ich nicht gerechnet als ich nach längerem Suchen endlich voll Freude auf die kleine auf Frachtschiffreisen spezialisierte Agentur gestossen war und meine Reise von La Specia (Italien) nach New York buchen wollte.


Das Problem liege bei den grossen Versicherern, erläuterte mir die zuständige Sachbearbeiterin. Die Bestimmung sei ein fester Teil der entsprechenden Verträge. Die Redereien seien da ganz machtlos. Die Repräsentantin des Schweizer Büros von Mobility International meinte, ich müsse die Rederei und die Versicherung verstehen, so eine Schiffsreise sei doch etwas gefährliches ... Als ich sie fragte, ob sie wisse, wie es auf einem Frachtschiff ausschaue, ob es dort beispielsweise offene Luken und Stellen ohne Reling gäbe, meinte sie, nein, das wisse sie nicht, aber ich müsse schon verstehen, es sei doch gefährlich ... Ich hängte auf. Ich hätte diese dumme Gans erwürgen können, aber so sind sie nun halt mal, die hilflosen HelferInnen, nicht alle, aber zu Viele von ihnen! Statt uns zu unterstützen reproduzieren sie ohne grösseres Nachdenken genau die Klischees, die unser Leben so oft behindern.


Da ich keine Lust darauf habe, mich selber leichtfertig in Gefahr zu begeben, rief ich noch einmal bei der Rederei an. Dort beruhigte man mich: Nein, Stellen ohne Reling gäbe es nicht und die Luken seien nur offen, wenn ein- und ausgeladen werde, doch dann sei das Deck abgesperrt. Allerdings seien die Treppen zu den Kabinen steil, und gerade im Winter könne es auf dem nördlichen Atlantik sehr raues Wetter geben ... Raues Wetter! Das war doch genau das, was ich wollte -, und steile Treppen ... Ich bin doch ein "Sohn der Alpen", war schon auf dem Piz Palü und dem Doldenhorn ... oder war es das Rosenhorn, keine extremen Klettereien zugegeben, aber doch ordentliche Touren durch Fels und Eis und Schnee, Touren, die einiges an Geschicklichkeit und Ausdauer verlangten ... Da konnten Treppen doch kein Problem sein – oder vielleicht doch? Ich kenne diese Schiffe ja nicht, und wenn alle meinen, es sei so gefährlich ...? Was sollte ich tun: Den Vertrag einfach unterschreiben und am Tag x an Bord gehen als ob nichts sei? Die Sache aufgeben ...


Die Rederei signalisierte Sympathie und Bereitschaft, doch sie waren an ihre Regeln gebunden, und ich – ich fühlte mich überfordert, war abwechselnd wütend und deprimiert. Jeder Trottel kann so eine Passage buchen, aber ich ...! Mit einer Begleitperson würde man mich mitnehmen, das hatte die Rederei mir zugesagt, aber ich wollte keine "Begleitperson" mitnehmen. Abgesehen von den praktischen Schwierigkeiten, die mit diesem Vorschlag verbunden waren, würde dies dem ganzen Unternehmen seinen besonderen Reiz, das Gefühl des Abenteuers nehmen. Nein. Ich wollte allein in die Welt hinaus ziehen. Warum konnten die anderen mich nicht als erwachsenen Menschen akzeptieren, der seine Grenzen und Möglichkeiten einschätzen und sich entsprechend verhalten kann.


Schliesslich rief ich noch einmal bei der Rederei an und erkundigte mich, ob noch andere Passagiere an Bord des Schiffes sein würden, und ob es vielleicht möglich sei, diese zu fragen, ob sie im Notfall bereit wären, die Funktionen einer Begleitperson zu übernehmen. Ja, es gäbe noch einen weiteren Passagier, und ... gut, ja, sie würden ihn anfragen. Jetzt hing die ganze Sache also an diesem einen dünnen Faden. Die Dame der Rederei würde diesen Herrn anrufen, und er würde sich mit irgendwelchen billigen Floskeln aus der Affäre ziehen, da er "Blinde" nur von ferne kannte und damit lieber nichts zu tun haben wollte ... Natürlich. Weshalb sollte er auch "ja" sagen. Einige Tage später kam der Anruf der Rederei: Monsieur Chambaud sei einverstanden. Es klappe. Ich solle den Vertrag unterschreiben ... Die Schlacht war gewonnen! den unerwarteten Monsieur Chambauds sei dank!


An Weihnachten 1996 sind wir in See gestochen: 250 Meter Schiff, 20 Mann Besatzung, Monsieur Chambaud und ich. Mr. Chambaud mutierte bereits nach fünf Minuten zu Richard. Er steht seither in meiner Adressdatei und gehört zu den Menschen, die man seine "Freunde" nennt ...! Die Überfahrt war äusserst ruhig und erholsam. Zehn warme Tage. Am 26. Dezember ein Tagesausflug mit Richard und ein paar Offizieren nach Marseille. Dort viel Wind, strahlend blauer Himmel und Sonne. Am 28. ein kurzer Abstecher in die Altstadt von Valencia. Danach nur noch Wasser! Täglich zwei Spaziergänge an Deck, ganz vorne, hinter den beinahe mannshohen Stahlwänden gemütliche halbe Stunden in der Sonne, hie und da ein nasser Gruss aus dem 10 Meter unter uns liegenden Ozean. Einmal eine Expedition in die Tiefen dieses Kolosses. Einmal eine Besichtigung der Riesenmaschine. Drei oder viermal täglich ein freundschaftlicher Besuch auf der Brücke, kurze Gespräche mit Mike, dem zweiten Offizier, über das Wetter und seinLeben in Russland. Viel Zeit zum Lesen und Flöte spielen. Um 17:00 den allabendlichen Aperitif bei Richard, der mir viel über seine Arbeit als Architekt, seinen Sohn und den Fortgang des Liebesromans erzählt, an dem er während der Überfahrt arbeitet. Die steile Treppe entpuptte sich als ganz gewöhnliche Treppe. Dazu gibt's einen Lift in dem sechsstöckigen Schiffsaufbau, in dem sich das ganze Leben abspielt.


Am 11. oder 12. Januar 1997 kamen wir in New York an! Der Kapitän erklärte mir beim Abschied, er habe getobt, als man ihm gesagt habe, dass das mit dem "blinden Passagier", den er an Bord haben werde, kein Witz sei! Er habe doch auch ohne dies Probleme genug ... Ja, es tue ihm leid, er wolle mich nicht beleidigen, aber er habe gedacht, er müsse mich während der ganzen Fahrt betreuen, und jetzt! Er habe so gestaunt, wie frei ich mich mit meinem weissen Stock über sein Schiff bewegt habe und wie fröhlich ich immer gewesen sei. - Da waren sie wieder, diese nie hinterfragten Klischees und echtes Erstaunen auf der Seite der anderen und bei mir, wie immer in solchen Situationen, eine Mischung von Ärger und Freude – Ärger über die immer wiederkehrenden Klischees, aber auch Ärger über meine Freude am Lob des Kapitäns, der darüber staunt, dass"ein Blinder" zwei und zwei zusammenzählen kann und nicht vom Morgen bis zum Abend über sein schlimmes Schicksal jammert! Ärger, ja, denn was für eine "Anerkennung" ist das, über die ich mich da freue! Und was wäre gewesen, wenn Monsieur Chambaud damals nicht "ja" gesagt hätte? Wem hätte ich dann was "beweisen" können?





Neben dem Alleinreisen und dem Reisen mit sehenden Freunden, die mir natürlich viel alltägliche "Überlebensarbeit" abnehmen, ist das Unterwegssein mit anderen blinden Menschen für mich ganz besonders spannend; dabei muss es nicht immer der Amazonas oder das Nordkap sein!



Zweiter Streich, zwei, drei Jahre später: Wenn die Blinden die Blinden führen



Eines schönen - wirklich sehr schönen! – Tages beschlossen Pina, eine blinde Freundin, und ich, eine kleine Wanderung durchs Baselbiet zu unternehmen! Vielleicht nach Wegenstetten, wo wir bei Steffi übernachten könnten! - Gut gut. Per Zug bis Mumpf und dann zu Fuss weiter. Nur: Wohin. Um Trotoirränder, Abfalleimer oder Bäume orten zu können sind unsere weissen Stöcke ja ideal! Aber wenn es darum geht, Wegweiser zu finden und zu lesen, hilft der weisseste Stock nicht weiter. Ein paar nette Spaziergängerinnen erklären uns schliesslich, wo unser Wanderweg beginnt. Die Sache scheint einfach und bald sind wir auf dem gesuchten Weg.
Wir sind schon mehr als eine Viertel Stunde unterwegs. Um uns ist Wald; die Luft ist Feuchter, die Geräusche sind anders ... Aber oje! Was ist das? Statt aufwärts geht der Weg plötzlich wieder runter ... zurück nach Mumpf, und obwohl Mumpf ein kleines schnuggeliges Nest ist, wollen wir eigentlich nicht dorthin zurück! Also was tun? Menschen scheinen keine in der Nähe und die Wegweiser sehen wir so schlecht wie zuvor. Weil wir keine Lust haben, noch lange im Kreis zu gehen, entschliessen wir uns für eine radikale, aber sehr wirksame Methode. Wir verlassen den bürgerlichen Pfad der Tugend, der uns bis dahin ohnehin nur im Kreis herum geführt hatte, und gehen und kraxeln immer Berg auf durch den Wald -, bergauf, bergauf, bergauf! Irgendwann, so denken wir uns, werden wir auf einen Weg – vielleicht unseren Weg von vorhin - stossen, der uns hinauf auf's Plateau bringt! Und tatsächlich: Nachdem wir uns wohl eine halbe Stunde zwischen Bäumen und Büschen durchgeschlängelt, uns in dornige Ranken verheddert, uns an irgendwelchen Wurzeln über die steilsten Stellen hochgezogen und zwischendurch auch mal Pause gemacht und die Stille des Waldes genossen haben stehen wir plötzlich wieder auf einem Weg! Nach weiteren fünf oder zehn Minuten sanften Anstiegs kommen wir aus dem Wald. Die Welt um uns öffnet sich. Da ist mehr Luft und Raum und da ist die Sonne! - Wir glauben wieder an unseren guten Stern und wandern frohen Mutes über die Hochebene! Wo wir wohl hinkommen?
- Es ist wie auf der Wanderung durch unser Leben: Man denkt sich dies und das und versucht anhand irgendwelcher Zeichen die richtigen Entscheidungen zu treffen, aber ob man letztlich auf dem rechten Weg ist oder nur im Kreise geht, weiss man nicht bis man plötzlich ...Hoppla! Es geht wieder runter. Sanft, aber deutlich. Nun ja. Die Chance, dass wir wirklich nach Wegenstetten kommen ist nicht gross, aber wer weiss! - O. Wir kommen in ein Dorf. Da scheinen Häuser oder so was am Wegrand. Und weiter vorne eine Strasse! Und das - was ist das? Ein laufender Motor. Ein Lastwagen oder vielleicht gar ein wartender Postbus? Wir gehen schneller -, so schnell es geht mit diesen weissen Stöcken. Wir sind ja nicht Lebensmüde, aber wenn dies nun wirklich ein Bus ist, und er würde uns vor der Nase abfahren! Ich fuchtle mal provisorisch mit meiner freien Hand, denn wer weiss, vielleicht sieht der Chauffeur uns ja und wartet! Jetzt noch über die Strasse und vorne um den brummenden Koloss rum, und da – es ist wirklich ein Bus, denn - pffff – es geht eine Tür auf und - es ist wie in einem Film: Ich mache eben meinen Mund auf, um mich nach dem Namen des Ortes zu erkundigen, in dem wir gelandet sind nach diesen drei oder vier Stunden Natur und Feld und Wald-Erfahrung, da klingt es vom Fahrersitz herunter: "Na, Martin, wo wollt ihr denn hin?"! Ich bin platt, denn so viele Postbusfahrer kenne ich nicht! Aber den Einen, den ich kenne, den hat das Schicksal hier für uns bereitgestellt, und, um die Sache ganz rund zu machen, sagt er uns, dass er in einer Minute nach Wegenstetten fahre -, nein nein, wir seien ganz nah. Nur noch ein Dorf!


Mit Pina war ich übrigens auch einmal am ... Doch das ist Stoff für eine andere Geschichte. Überhaupt, wenn ich Zeit hätte – oder mir die Zeit nähme -, gäbe es noch viel zu erzählen, z.B. von jener sagenhaften Wanderung mit zwei blinden Freunden, mit denen ich einmal in Saasfee gestrandet war, odr von meinem Abenteuer mit Dan Kish, dem "Fledermausmann", in den Bündner Bergen oder meinem 36-stündigen Aufenthalt in Mexico oder von ...Doch lassen wir das.



Natürlich ist auch mir das Schicksal nicht immer hold - Mexico beispielsweise war ziemlich hart -, wobei "hold" und "hart" letztlich viel mit meiner Gemütsverfassung und meiner Gelassenheit zu tun haben. Überlebt habe ich bis jetzt alle Reiseabenteuer, denn ich geh ja nicht einfach so blindlings drauf los! Ein wenig Gribs und ein Gespür für meine Grenzen und für mögliche Gefahren habe auch ich. Im übrigen ist mein Reisestil im Vergleich mit wirklichen Reisenden gar nicht so abenteuerlich, wie es zunächst scheinen mag. Ich denke unwillkürlich an Herrn Kahler, einen Freund unserer Familie, der in den 1960er und 1970erjahre hie und da bei uns in Basel auftauchte und uns von seinen letzten Abenteuern auf dem Amazonas, von seinem Besuch in Ankor Wat oder seiner Saharahdurchquerung erzählte. Herr Kahler war damals vielleicht 70 oder 75 Jahre alt. Sein Geld verdiente er mit Bodenproben, die er alle 5 km einsammelte und in einem kleinen Säckchen schön numeriert an irgend ein deutsches Forschungsinstitut schickte. Sein VW-Bus marke uralt war sein zuhause ... Auch der blinde James Holman war ein Reisender von ganz anderem Kaliber. Aber auch von ihm soll hier nicht weiter die Rede sein ...




Wozu die ganze Plackerei?




"Und was hat er davon, wo er die Sachen doch nicht sieht", das fragte die Mutter einer meiner Freunde, mit dem ich in den letzten Jahren viel unterwegs war. Ja, was hat er davon? Nun: Gerüche, Begegnungen, Eindrücke und abenteuerliche Erlebnisse! Kulinarische Genüsse, gemütliche Abende, warmen Sand zwischen den Zehen, Salz auf der Haut nach dem Schwimmen im Meer, ein unalltägliches Leben ... viele, viele Eindrücke! Ja manchmal kommt es mir vor als ob ich den glitzernden, nach langem Aufstieg plötzlich unter uns liegenden Brienzersee, auf den A. so stark reagiert hat, oder das mit R. ausgiebig umwanderte und studierte Schweriner Schloss oder die elegante Siluette der Golden Gate Bridge mit der dahinter im Meer versinkenden Sonne, die B. mir beschreibt, auch selbst gesehen habe. Und doch. Die Frage der Mutter meines Freundes bleibt. Sie ist wie ein Stachel im Fleisch. Nicht dass ich jetzt überlege, nicht mehr zu reisen, aber - ja: Was hat man davon? Wie reise ich - konkret, physisch, in Mexico oder Polen - und im übertragenen Sinn durch die Höhen und Tiefen dieses Lebens?

Das Reisen ist für mich unterm Strich wohl besonders deshalb so reizvoll, weil es ein Ausnahmezustand ist, in welchem ich mich bewusster und intensiver als sonst mit meiner Art des Unterwegsseins befasse. Zwar müssen wir letztlich alle immer erneut herausfinden, was das Reisen - und das heisst auch das Leben - für uns eigentlich befriedigend macht, was wir vom Reisen erwarten, was wir erleben und entdecken wollen. Die "Normalkost" taugt eigentlich für keinen wirklich, sagen meine nicht behinderten, sprich "normalen" Freunde, aber ich merke es vielleicht etwas schneller, denn ich werde beim Reisen oft unsanft mit der Nase darauf gestossen.

Wenn ich beispielsweise auf meinen Zehenspitzen am Fuss des Palais des Papes in Avignon stehe und bei allem Strecken und Gliederausrenken nichts anderes spüre als einen grossen Steinbrocken, oder wenn ich auf den prächtigen Boulevards von Paris von einer Depression in die andere Falle, weil der allgegenwärtige Verkehrslärm das einzige ist, was ich von der ganzen Pracht und Fülle wahrnehme, dann kann ich der Frage, was mich beim Reisen eigentlich interessiert, nicht lange ausweichen, und diese Frage ist im Grunde nur eine besondere Form der Frage nach dem, was uns in unserem Leben eigentlich interessiert. So gesehen ist es eine Frage für alle, denn ob wir passionierte Reisende und Abenteurer oder verträumte Stubenhocker sind: unterwegs sind wir alle - die einen eher allein und auf eigene Faust, die anderen vorzugsweise in einer geführten Gruppe.




© 2001, 2008 Martin Näf, Basel

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