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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser ...

Vertrauen ist gut und die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung mögen ermutigend wirken, doch in der Realität scheinen wir mehr denn je auf Kontrolle statt auf Vertrauen zu bauen.

Chris Aschwanden erzählt mir bei einer zufälligen Begegnung auf der Fahrt von Luzern nach Basel über das von der Basel-Landschaftlichen Regierung vor ca. drei Jahren eingeführte System der Zeiterfassung für Lehrer. Sein Name EAF, einfache Agenda-Führung. Grund der Einführung dieses Systems sei die Frage gewesen, was Lehrkräfte eigentlich mit ihrer vielen scheinbar freien Zeit machten.

Ihre Jahresdurchschnittsarbeit muss der eines anderen Staatsangestellten entsprechen, also rund 40 Wochenstunden und 4 Wochen Ferien. Um zu belegen, dass die Lehrkräfte tatsächlich liefern, was sie liefern sollen, müssen sie jetzt also über ihre Leistungen buch führen.

Die „einfache Agendaführung" sieht so aus, dass jede Lehrkraft am Ende eines Arbeitstages auf einer Tabelle einträgt, was er oder sie während des Tages getan hat. Auf einer Exel-Tabelle sind diverse Posten vordefiniert: Gespräch mit Eltern; Gespräch mit SchülerIn; Teilnahme an einer Sitzung ... Durch die EAF soll sichergestellt werden, dass die Lehrkräfte den Anteil von 15% an ihrer gesamten Arbeitszeit, die für solche Dinge zur Verfügung gestellt werden, auch einsetzen und nicht einfach auf der faulen Haut liegen.

85% der Arbeitszeit ist pauschal durch Unterrichten und Unterrichtsvorbereitung abgedeckt. Pro Monat darf man eine Stunde für das führen der einfachen Agenda einsetzen. – Vertrauen war gestern. Kontrolle ist heute!

Copy 2007, 2017, Martin Näf

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